Chronik

1. Lage

Die Ortschaft Weitersdorf liegt 12 km westlich von Nürnberg an der Bahnlinie nach Ansbach- Stuttgart. Die Entfernung zur Bahnstation Roßtal beträgt ca. 1 km. In Weitersdorf leben gegenwärtig ca. 850 Einwohner. Seit einigen Jahren befindet sich Weitersdorf in einer äußerst lebhaften Wachstumsphase. Nördlich und südlich des alten Ortskernes hat sich eine rege Bautätigkeit entfaltet. Der Ortsteil Weitersdorf Nord hat dabei die Grenze der benachbarten Marktgemeinde Roßtal bereits erreicht und Anschluß an die dortige Bahnhofssiedlung gefunden.

Der alte Kern des Ortes lagert sich um eine quellenreiche Bucht, von der ein Talarm nach Norden führt. Knapp hinter dem alten Dorf versperrt seit 100 Jahren ein hoher Eisenbahndamm den direkten Zugang zum anschließenden Wiesengrund. Die von den Hängen herabplätschernden Wasserrinnsale vereinigen sich in dem Wiesental zum Weitersdorfer Bach. Diese idyllische Landschaft aus Wasser, Wiesen, Wald und Weiher führt den einfachen Flurnamen “die Bäch” Unterhalb des Geisberges mündet der Weitersdorfer Bach in den von Westen kommenden Roßtaler Mühlbach, früher Schwellbach genannt. Etwa 2 km talabwärts wird dann der Bibertfluß erreicht.

Berg und Tal kennzeichnen das Bodenrelief von Weitersdorf, das die ewig wirkenden Naturkräfte (Wind, Regen, Quellwasser, Frost) in urlangen Zeiträumen modelliert haben. Diese Geländebeschaffenheit teilt Weitersdorf mit vielen Orten der Umgebung, so unter anderem mit Roßtal, Buttendorf, Trettendorf, Defersdorf usw. Der Grund hierzu liegt in der geologischen Beschaffenheit unserer Heimat. Das Gebiet zwischen Ansbach und Nürnberg gehört, geologisch gesehen, zum Blasensandsteinhorizont der oberen Keuperformation. Die Bänke des grauen Sandsteinfelsens sind vor mehr als 100 Millionen Jahren entstanden. Der Stein enthält viele tonige Einschlüsse, die bei der Auswitterung “blasenförmige” Zwischenräume zurücklassen und dem löchrigen Stein seinen Namen geben. Unter dem Blasensandstein, der in der Weitersdorfer Steinleite seit Jahrhunderten für Bauzwecke gebrochen wurde, liegt eine ca. 10 Meter mächtige Lehmschicht(geologischer Name: Lehrbergton), die an den Hängen unserer Täler zutage tritt. Das Regen- und Grundwasser, das die Klüfte des darüberliegenden Steins durchdringt, sammelt sich über der wasserundurchlässigen Lehmschicht und kommt in den sprudelnden Quellen wieder ans Tageslicht. Der lehmige Untergrund eignet sich zur Anlage von Weihern.


2. Geschichtliche Nachrichten


750 bis 850

Mutmaßliche Entstehungszeit des Ortes. In der sogenannten Verfrankungsepoche entstanden durch die Staatskolonisation der Frankenkönige die Dörfer unserer Landschaft. Fränkische Adelige, die das dünn besiedelte Rodungsland des Keupergebietes ausgesandt wurden, nahmen die vorhandenen Bevölkerungsgruppen unter ihre Herrschaft. Durch ihre Eigenleute und durch Umsiedler aus eroberten Gebieten verstärkten sie die Einwohnerschaft und legten den Grund für unsere nunmehr über tausend Jahre alte fränkische Bevölkerungsgemeinschaft. Der alte Ortsname Weitersdorf lautet Witansdorf und deutet auf einen slawischen Kolonen (=abhängiger Kolonist) hin. Für die planvolle Einbeziehung von slawischen Volksangehörigen in die Besiedlung unseres Raumes spricht vor allem die politische Lage unter der Regentschaft des Könige Ludwig des Deutschen(830 - 876). In der Roßtaler Kirche befand sich bis 1627 das Grabmal des in jener Zeit amtierenden Präfekten “Herzog Ernst von Bayern”. Dieser war gleichzeitig Markgraf der böhmischen Grenzmark und führte den Heerbann der Franken und Bayern in den Feldzügen gegen die benachbarten Slawen an.Bei den damaligen Ausbau des Verwaltungs- und Kirchenzentrums Roßtal, das 2 Generationen später als stark befestigte Stadt Erwähnung findet, dürfte auch Weitersdorf entstanden sein.


1234

Erste schriftliche Überlieferung des Ortsnamens. In der Blütezeit des mittelalterlichen Rittertums erscheint Weitersdorf als Sitz eines Rittergeschlechtes, das sich schon eines umfangreichen Besitzes und Ansehens erfreute. Ritter Burchard von Witansdorf nimmt am 15. August 1234 an einem Gerichtstag Königs Heinrichs VII. (1220 - 1235) teil und wird inder Urkunde an 3. Stelle der Zeugenreihe erwähnt. Die Herren von Weitersdorf gehörten zu einer Gruppe von Adeligen, die besonders eng mit dem Kloster Heilsbronn verbunden waren. In der dortigen Kirche befindet sich noch heute die Grablege des 1430 ausgestorbenen Geschlechtes. Der Grabstein zeigt das Wappenemblem, das im bisherigen Ortswappen erschien.


1296

Ein Enkel Burchards, der Ritter Heinrich von Witansdorf, gehörte zum Gefolge des Burggrafen Conrad von Nürnberg. Als dieser den Markt spalt und ein Jahr später die Burg Abenberg mit Umland an den Bischof von Eichstätt verkauft, wird Heinrich in der Zeugenreihe der Verkaufsurkunden genannt.

Umwandlung des Ortsnamens. Die ursprüngliche Form Witansdorf beginnt sich nach 1300 zu verändern. Es folgen die Schreibweisen Witramsdorf, Weitnansdorf und schließlich ab 1339 die heutige Schreibweise Weitersdorf.


1339

Die Gebrüder Gottfried und Heinrich von Weitersdorf, Söhne des vorgenannten, verkaufen ihren Hof zu Weitersdorf an einen Nürnberger Bürger und lösen sich damit von ihrem namensgebenden Namensort.

Gottfried begegnet uns in weiteren Urkunden als Richter in Windsbach, sein Bruder Heinrich als Richter in Abenberg. Ein anderer Bruder, Ulrich, ist Komtur des Johanniterkommende zu Altomünster. Die Besitzungen der Herren von Weitersdorf liegen hauptsächlich im Raum Heilsbronn, dann bei Schwabach, Abenberg, Roth, Gunzenhausen und im Hahnenkamm. Engere Beziehungen bestanden zu dem Geschlechtern von Buttendorf, von Dietenhofen, von Thann, von Vestenberg, von Seckendorf, von Berg u.a.


1360

Grundherrschaftliche Veränderungen in Weitersdorf. Das Nürnberger Ehepaar Hermann und Kunigunda Scholl stifteten 1360 für den Kiliansaltar in der Lorenzkirche eine Pfründe. Dazu gehörten 9 bäuerliche Anwesen, deren jährliche Abgaben dem Pfründner 55 Ztr. Korn, 99 Hühner, 114 Käse, 600 Eier etc. einbrachten. Zur Kiliansaltarpfründe gehörte auch der Weitersdorfer Hof Nr. 1, den sich das Ehepaar Scholl vom bisherigen Grundherrn gekauft hatte.


1398

Im Jahre 1398 erfolgte “aus Zutun vieler Personen” eine Gemeinschaftsstiftung für den Zwölfboten-Altar in der Lorenzkirche. Hierzu gehörte der Hof Hs. Nr. 4 in Weitersdorf. Bis zur Reformation waren daher die jeweils an den Altären amtierenden Geistlichen die Grundherren der Hofinhaber(Hs. Nr. 1 und 4) in Weitersdorf. Die Anwesen Hs. Nr. 3, 8, 9 und 10 waren auf dem Stiftungswege zum Besitzkomplex des Heilig-Geist-Spitals in Nürnberg gekommen. Nach der Reformation übernahmen reichsstädtische Ämter die grundherrschaftlichen Funktionen. Die Höfe Hs. Nr. 1, 2 und 4 unterstanden dem Nürnberger Landalmosenamt, das fortan über 1000 Stiftungsanwesen auf dem Land verwaltete.


1413

Durch zwei Stadtgerichtsurkunden aus den Jahren 1413 und 1415 erfahren wir die ersten Namen von Weitersdorfer Bauern. Hans Roßbeck, der den Hof der Kilianspfründe (Hs. Nr. 1) bewirtschaftete, war in Schulden geraten. Der Nürnberger Schultheiß Ritter Hans von Rosenberg und die Schöffen des Stadtgerichts entzogen ihm das Besitzrecht. Mit Einverständnis des Grundherrn (Vikarier Heinz Nebel vom Kiliansaltar St. Lorenz) wurde Heinz Kopp von Anwanden der Besitznachfolder von Hans Roßbeck.


1446

Der Kampf um die Macht zwischen der Reichsstadt Nürnberg und ihren ehemaligen Burggrafen aus dem Hause Hohenzollern, die 1415 die Mark Brandenburg mit der Kurfürstenwürde erhielten, war nach vielen Generationen diplomatischer Vorgefechte in die kritische Phase der Gewaltanwendung eingetreten. Nach dem Städtekrieg 1388 folgten noch die beiden Markgrafenkriege 1449/50 und 1553, die große Zerstörung und viel Leid über das Land brachten. Wie die Musterungsliste vom Jahre 1446 aufweist, organisierte Nürnberg seine bäuerlichen Untertanen kriegsmäßig und bereitete sich sorgfältig auf den Waffengang von 1449 vor. Weitersdorf gehörte zur Hauptmannschaft Zirndorf. Die waffenfähigen Anwesenbesitzer werden mit ihrer Ausrüstung wie folgt registriert:

Capitan (=Dorfhauptmann) Johann Kögler mit Schopen (= Kampfkleid, wattiert und mit Eisenblecheinlagen), Haube, Prost, Büchse (späterer Zusatz: 3 Pferde).

Hans Steffan: Schopen, Prost, Büchse (Zusatz 3 Pferde).

Ullein Steffan: Schopen, Prost, Haube, Handschuh (Schutzhandschuh aus Leder), Spieß

(Zusatz: Wurfhacke).

Hans Kögler: Schopen, Haube, Armbrust. Ein späterer Zusatz “steht öd”, zeigt an, daß das zerstörte Anwesen nach dem Krieg nicht sofort wieder aufgebaut wurde.


1465

Das bisher selbständige Richteramt Roßtal wurde 1465 dem neugegründeten Oberamt Cadolzburg eingegliedert. Die Maßnahme erfolgte im Rahmen einer Neuorganisation der markgräflichen Verwaltung, die dann 350 Jahre lang für unsere Landschaft zuständig war. Das neue Netz von Unter- und Mittelbehörden diente neben der Verwaltung der markgräfischen Untertanen vor allem für die Ausübung der hoheitlichen Rechte, die dem Markgrafen über alle Bewohner seines Machtbereiches zustanden. Im Richteramt Roßtal, das von Stein bis Heilsbronn reichte, überwogen die nichtmarkgräflichen Bewohner. Von 46 Ortschaften waren 18 ganz nürnbergisch. Im Zusammenleben der markgräflichen und nürnbergischen Bevölkerungsteile ergaben sich immer wieder Schwierigkeiten und die Nürnberger Untertanen beschwerten sich beim Rat der Reichsstadt häufig wegen Übergriffen der markgräfischen Beamten.


1526

1526 änderte der Oberamtmann von Cadolzburg im Einvernehmen mit dem Rat von Roßtal die Kirchenordnung. Die Nürnberger Untertanen wollten die behördliche Aufsicht nicht anerkennen. So beschwert sich 1526 der Kirchenpfleger Peter Eber über den Befehl des Roßtaler Richters, die Klingelsackeinlage vom Kirchweihfestgottesdienst beim Richteramt abzurechnen. Eber will dies, wie üblich, vor den Pfarrgemeindevertretern tun. Die richterliche Einmischung hält er für eine untragbare Zumutung, “da er als Nürnberger Untertan den markgräflichen Beamten keine Rechenschaft schuldig ist”.


1616

In einer Beschreibung des Richteramtes Roßtal, die der Ansbacher Regierung vorgelegt wurde, ist über Weitersdorf aufgeführt: “Sind alle nürnbergisch, außer der Capellen, so markgräfisch ist und jährlich 1 Simra Korngut (= 238 kg) uff den Casten nach Cadolzburg (markgräfliche Finanzbehörde) gibt”.

Anwesen: 2 Höfe zum Almosenamt (Georg Jordan, Hans Hoffmann) ein Hof zwei Güter zum Spitalamt (Hans Baum, Hans Vogel, Hans Bayr) ein Hallerischer Hof ( Hans Hoffmann).


1767

Renovierung der Weitersdorfer Kirche. Die 700 Jahre alte Kirche über dem Steilhang in der Ortsmitte ist ein altes Baudenkmal aus der Ritterzeit. In früherer Zeit fanden an 5 Tagen des Jahres dort Gottesdienste statt. Nach dem 30-jährigen Krieg wurde nur noch am Kirchweihsonntag Kirche gehalten. Infolge der Verarmung der Bevölkerung in den Nachkriegsjahrzehnten geriet die Kirche in einen sehr schlechten baulichen Zustand. Die meterdicken Mauern hatten zwar den Jahrhunderten getrotzt, doch das Ziegeldach und das Holzgebälk waren unbrauchbar geworden. Der Ansbacher Bauinspektor Johann David Steingruber, der 1767 die Kirche besichtigte, regte zwar eine gründliche Überholung des gesamten Bauwerks an, doch konnten aus finanziellen Gründen nur Ausbesserungsarbeiten erfolgen. Der Ostturm, der zwei Stockwerk hoch das Kirchendach überragte, wurde um ein Stockwerk erniedrigt und das schadhafte Dach notdürftig repariert.


1792

Nach der freiwilligen Abdankung des Markgrafen Carl Alexander fiel das Fürstentum Ansbach an das Königreich Preußen. Die preußische Herrschaft dauerte 14 Jahre.


1806

Napoleon übergibt seinem Bündnispartner Bayern den fränkischen Gebietsteil Preußens. Weitersdorf gehört seit dieser Zeit zum bayrischen Staat.


1815 bis 1819

Verkauf der Kirche und Abbruch des Turmes. Nach verschiedenen Verhandlungen des königlich- bayrischen Landrichters von Cadolzburg mit der Ortsgemeinde Weitersdorf findet am 04.05.1818 die Versteigerung der Kirche statt. Fünf Interessenten machten Angebote von 275 bis 355 Gulden. Die Kirche wurde Johann Schuhmann als Meistbietendem zugeschlagen. Die Abbruchgenehmigung erfolgte am 12.03.1819. Der Baufällige Turm mußte bis 14.04.1819 eingelegt sein. Auf Ersuchen der Ortseinwohner wurde 1828 der Wiederaufbau genehmigt und die Kirche unter Benützung der noch stehenden Außenmauern, jedoch ohne Turm, wieder errichtet. Die Neueinweihung erfolgte am 06.09.1829.


1862

erfolgte die Errichtung der Bezirksämter. Weitersdorf gehört seit dieser Zeit zum Bezirk (jetzt Landratsamt Fürth). Das Landgericht Cadolzburg wurde in ein Amtsgericht umgewandelt.


1872

wurde in Weitersdorf eine Gemeindewaage angeschafft.


1873 bis 1875

Bau der eingleisigen Bahnlinie Nürnberg-Ansbach.


1887

Bau des zweiten Bahngleises.


1898

13.03.1898 Gründung der Freiwilligen Feuerwehr. Bau der Wegunterführung zum Bahnhof Roßtal. Vorher war ein schienengleicher Übergang vorhanden.


1902

19.01.1902 Gründung des Gesangvereins “Frohsinn Weitersdorf”.


1906

Bau eines Feuerwehrgerätehauses um 840 Mark.


1913

Errichtung des elektrischen Lichtes.


1916

Der Ort hatte 11 Familien mit 77 Einwohnern, davon 35 männliche und 42 weibliche.


1921

Einweihung eines Kriegerdenkmales für die Gefallenen des 1. Weltkrieges 1914-1918 an der Kirche.


1925

Stiftung einer Kirchenuhr mit Schlagwerk durch Friedrich Förthner.


1928

Weitersdorf hatte 99 Einwohner und 15 Wohngebäude.


1930

Anschaffung einer Motorspritze für die Feuerwehr um 3808,00 Reichsmark.


1938

Weitersdorf hatte 147 Einwohner (78 männliche, 69 weibliche) und 32 Haushaltungen.


1944

Vom 19.12.1944 bis 13.04.1945 wurden 17 Fliegergeschädigte aus Nürnberg aufgenommen.


1945

Wohnungszählung 10.12.1945: 171 Personen bei 48 Haushaltungen, 10 fehlende Wehrmachtsangehörige, 49 Personen im Krieg zugezogen.


1946

Volkszählung 29.10.1946: 49 Familien mit 181 Personen, davon 77 männlich, 104 weiblich.


1947

Brand der Scheune des Michael Pfeiffer durch Blitzschlag (20.04.1947)

Am 03.05.1947 kamen drei Flüchtlinge aus Ungarn (Siebenbürgen).


1951

Ausbessern des Kirchendaches und Instandsetzung des Dachreiters.

06.09.1951 Gründung des “Radler-Club”


1952

Inneres der Kirche hergerichtet, Überholung der Orgel. Anbringung von zwei Gedenktafeln am Kriegerdenkmal für die Opfer des 2. Weltkrieges anläßlich des 50-jährigen Bestehens des Gesangvereins “Frohsinn”.


1959

Anschluß an die Wasserversorgung “Bibertgrund”.


1964

Zugunsten der ev. Kirche wird eine Dienstbarkeit eingetragen, wonach in der Weitersdorfer Kirche nur evangelische Gottesdienste abgehalten werden dürfen. Die Baulast der Kirche trägt die Gemeinde. Bau einer Kläranlage und die Kanalisation Weitersdorf. Die Kirchturmuhr erhält ein neues Uhrwerk.


1965 bis 1972

Weitersdorf erfährt durch zwei Baugebiete eine große Erweiterung.


1972

Der Gemeinderatsbeschluß, die Gemeinde Weitersdorf bleibt selbständig wurde von der Regierung von Mittelfranken nicht akzeptiert. Seit 1978 zum Markt Roßtal gehörend, geht die Entwicklung stetig weiter. Der Markt fördert die Gemeinschaft, die Kultur und die Örtlichen Vereine. Die Weitersdorfer Bürgerschaft ist zwar in den Markt Roßtal eingegliedert, wird aber stets ihr Eigenleben im Rahmen ihrer dörflichen Gemeinschaft weiterführen können.


1974

31.03.1974 Gründung des “Trimm-Club-Weiterdorf”

Am 01.05.1978 wurde die politische Gemeinde Weitersdorf im Rahmen der Verwaltungsreform in die Marktgemeinde Roßtal eingegliedert. Die politische Gemeinde Weitersdorf war 1818 im Rahmen der Gebietsreform des Königreiches Bayern gebildet worden.

Sie umfaßte die fünf Ortschaften Weitersdorf, Kastenreuth, Oedenreuth, Trettendorf und Wimpashof. Der Gemeinderat bestand aus zwei Bürgermeistern und sechs Gemeinderäten, die in Abständen von sechs Jahren durch die Einwohnerschaft der fünf Orte in geheimer Abstimmung gewählt wurden.

Dem letzten Gemeinderat gehörten folgende Personen an:

1. Bürgermeister Hans Schmidt

2. Bürgermeister Hans Bettschnitt

Gemeinderat Willi Bittel

Gemeinderat Sigfried Bley

Gemeinderat Hans Lösel

Gemeinderat Georg Schmidt

Gemeinderat Hans Schuhmann

Gemeinderat Willi Watzka

Die Gemeinderatssitzungen fanden abwechselnd in den verschiedenen Ortsteilen statt. Laut Beschlußbuch hat die letzte Sitzung des Gemeinderates am 28.04.1978 stattgefunden. Der Standesamtsbezirk Weitersdorf wurde gemäß Anordnung des Landratsamtes Fürth vom 12.04.1978 zum 01.05.1978 aufgelöst und die Bestellung des Standesbeamten durch Gemeinderatsbeschluß widerrufen.

Das umfangreiche Beschlußbuch der politischen Gemeinde Weitersdorf gibt auf 137 Seiten Einblick in die Tätigkeit des Gemeinderates in den letzten Jahren vor seiner Auflösung.

Innerhalb von zwei Jahrzehnten vergrößerte sich die Häuserzahl um das Vielfache. Die Errichtung der beiden Siedlungsgebiete Südring mit Talstraße und Blumenstraße, sowie Westring mit dem Neubaugebiet um die Thalheimerstraße trugen wesentlich dazu bei. Für die Gemeindeverwaltung ergab sich dabei hinsichtlich der behördlichen Aufsichtspflicht bei der Planung und Ausführung der Bauvorhaben sowie bei der Straßenherstellung, Wasserversorgung, Stromzuführung und Abwasserbeseitigung eine wachsende Mehrheit. Auch im alten Dorfkern wurde vieles verändert: Das im alten Stiel unverändert gebliebene Bauernhaus der Familie Haberäcker, das abgebrochen werden mußte, wurde dem Freilandmuseum in Bad Windsheim übereignet.

Der politischen Gemeinde oblag auch die Sorge für die Freiwilligen Feuerwehren. Im November 1976 stellte die Gemeinde den Feuerwehren in den Orten Weitersdorf und Oedenreuth neue moderne Feuerwehrautos im Wert von je DM 25.000,00 zur Verfügung.

Am 16.05.1977 wurde u.a. das Problem wegen der Verbesserung der Kläranlage besprochen. Der Einbau eines Hebewerkes wurde mit DM 250.000,00 veranschlagt.

Am 10.08.1977 wurden in Weitersdorf, Oedenreuth und Trettendorf Straßennamen beraten und festgelegt. Mit diesen wenigen Hinweisen soll dem Wirken einer Institution, die 160 Jahre dem Wohle seiner Bürger gedient hat, ein kleines Denkmal gesetzt werden.


Roßtal und Weitersdorf baulich miteinander verbunden.


Weitersdorf, das im Mittelalter von seinen ehemaligen ritterlichen Herren nach Nürnberg  verstiftet worden war und sich viele Jahrhunderte unter dem Schutz der Reichsstadt Nürnberg befand, dann seit 1818 als bayerische politische Gemeinde 160 Jahre selbständig existiert hat, ist seit 1978 dem Markt Roßtal angegliedert worden.

Seit zwei Jahren ist auch die Bebauung an der oberen Bahnhofstraße und der Weitersdorfer Hauptstraße lückenlos geschlossen. Das Baugebiet zwischen der Eibenstraße im Osten und der Waldstraße im Westen füllte sich in den vergangenen Jahren mit Wohnbauten auf und verbindet die Roßtaler Bahnhofsiedlung mit dem Weitersdorfer Westringblock. Die ehemaligen Grenzen verwischen sich hier und nur die Alten Marksteine am Straßenrand weisen in die vergangene Zeit zurück, als weit und breit kein Haus sichtbar war. Erst mit der Errichtung des Bahnhofes, der vor hundert Jahren erbaut wurde, begann sich hier das Leben zu regen. Nördlich des Westringblockes lockt der nahe Wald, durch den sich der Wanderweg von Roßtal nach Altenberg hinzieht. Im Tal an der Bächwiese trifft er mit dem Trimmpfad zusammen, der auf dem Geißbergplateaurand wieder nach Süden abzweigt. Der Wanderweg zieht weiter nach Osten und kreuzt nach etwa einem Kilometer den Roßtaler Rundweg. Dieser führt südwärts zurück nach Weitersdorf und berührt dabei wieder den Trimmpfadbereich.

Der Trimmpfad, der im Jahre 1974 vom Trimm-Club Weitersdorf errichtet und eröffnet wurde, erschließt eine romantische Landschaft, die der hohe Bahndamm vom Ortszentrum verbirgt. Unweit des Startplatzes errichtete der Trimm-Club auf der eingefüllten Schlucht am Linder Weg eine Geräte- und Wetterschutzhütte mit Ruhebänken.